Ein Suchbegriff steigt seit Monaten. Ist das ein Trend, in den sich Arbeit lohnt, oder ein Strohfeuer, das in einem Jahr niemanden mehr interessiert? Vier Rechnungen beantworten die Frage besser als jedes Bauchgefühl. Keine davon braucht ein Werkzeug, alle vier braucht man zusammen, und am Ende dieses Beitrags steht, wie oft sie trotzdem danebenliegen.
Die Schwellen unten sind dieselben, mit denen wir selbst rechnen. Sie stehen vollständig in der offengelegten Regel.
Prüfung 1: Ist überhaupt Nachfrage da?
Ein Prozentwert ohne absolute Zahl ist wertlos. Ein Sprung von 40 auf 400 Suchen im Monat sind plus 900 Prozent und trotzdem kein Markt. Wir nehmen einen Begriff erst ab 300 Suchen im Monatsschnitt überhaupt in die Bewertung, gerechnet über die letzten zwölf Monate.
Ehrlich dazu: Diese Prüfung fängt kaum je einen Fehlgriff. Sie sortiert vor allem Rauschen aus, bei dem sich die Rechnung gar nicht erst lohnt. Ihr eigentlicher Zweck ist, dass die drei folgenden Prüfungen auf Zahlen laufen, die nicht schon durch einen einzigen Wochenausschlag kippen.
Prüfung 2: Ist es nur der Kalender?
Der häufigste falsche Trend ist eine Saison. Teile den höchsten Monat der letzten zwölf durch deren Durchschnitt. Liegt das Ergebnis über 2,2, ist der Begriff saisonal und kein Trend. „Deutschland sucht den Superstar" kommt so auf 3,2 und wäre ohne diese Prüfung als Trend durchgegangen, mit einem Viertelmillionen-Volumen und einem Absturz zwölf Monate später.
Dieselbe Rechnung fängt auch den Einmal-Ausschlag, der gar keine Saison ist. „Klimaanlage Kosten" hatte im September 2024 einen einzelnen Monatswert von 1.220.000 Suchen gegenüber 4.400 im Monat davor. Über zwölf Monate gemittelt sieht das aus wie Wachstum. Es war eine Hitzewelle.
Dieselbe Falle steckt in Jahreszahlen. Ein Begriff mit einer Jahreszahl im Text hatte im Vorjahreszeitraum fast kein Volumen, weil damals die vorige Jahreszahl gesucht wurde. Vergleiche ihn mit sich selbst ein Jahr vorher, also mit der vorigen Jahreszahl, sonst misst du den Kalender.
Prüfung 3: Wächst es, und wächst es noch?
Zwei Zahlen, nicht eine. Der Jahresvergleich setzt den Durchschnitt der letzten zwölf Monate gegen den der zwölf davor; wir verlangen mehr als 80 %. Das Momentum setzt die letzten drei Monate gegen dieselben drei Monate des Vorjahres; hier verlangen wir mehr als 20 %.
Der Jahresvergleich allein reicht nicht, weil er ein halbes Jahr hinterherläuft. Ein Begriff, der vor zehn Monaten explodiert ist und seitdem fällt, steht im Jahresvergleich noch glänzend da. Das Momentum sieht, was gerade passiert. Stehen beide Zahlen weit auseinander, glaub der kleineren.
Prüfung 4: Liegt die Spitze schon hinter ihm?
Die drei bisherigen Prüfungen können alle anschlagen, während der Begriff seinen Höhepunkt längst hinter sich hat. Deshalb die vierte: Teile den Durchschnitt der letzten drei Monate durch den höchsten je gemessenen Monat. Liegt er unter 55 % und zugleich der Vergleich mit dem Vorquartal unter 85 %, ist der Zenit überschritten, egal wie gut der Jahresvergleich aussieht.
Diese Prüfung ist die jüngste der vier. Zum Zeitpunkt des Rückwärtstests, den wir veröffentlichen, gab es sie noch nicht: Sie liegt als Deutung über der eingefrorenen Erkennungsregel, nicht in ihr. Was das in Zahlen heißt, steht im nächsten Abschnitt.
Wo alle vier versagen
Wir haben 81 Fehlgriffe im eigenen Rückwärtstest, die 25 nachfragestärksten stehen einzeln im Scoreboard. Für 19 davon lässt sich die Messreihe bis zum Erkennungsmonat rekonstruieren; die übrigen 6 Begriffe stehen nicht mehr in unserer Erhebung.
Von diesen 19 hätte die vierte Prüfung 5 sofort markiert. Die übrigen 14 haben alle vier Prüfungen bestanden und sind trotzdem eingebrochen. Darunter „holzpellets kaufen": erkannt im Sep 22, genau im dritten Monat eines Höchstplateaus. Der Jahresvergleich war überwältigend, das Momentum stimmte, saisonal war nichts, und der Zenit lag noch nicht hinter dem Begriff, weil er gerade darauf stand. Zwölf Monate später war das Volumen fast halbiert.
Das ist die ehrliche Grenze dieser Anleitung. Vier Prüfungen verwandeln ein Bauchgefühl in eine Rechnung, die jeder nachvollziehen kann. Sie verwandeln sie nicht in eine Prognose. Jede der vier beschreibt eine Kurve bis heute; keine sagt, was in zwölf Monaten ist.
Die Checkliste
- Mindestens 300 Suchen im Monatsschnitt, sonst rechnet man Rauschen.
- Höchster Monat geteilt durch den Durchschnitt der zwölf: über 2,2 heißt Saison, nicht Trend. Jahreszahlen gegen die vorige Jahreszahl prüfen.
- Jahresvergleich über 80 % und Momentum über 20 %. Weichen beide stark ab, gilt die kleinere Zahl.
- Letzte drei Monate gegen den Höchststand: unter 55 % und fallend heißt, die Spitze liegt hinter dem Begriff.
Wer das nicht jeden Monat von Hand machen will: Im Register steht die Einstufung zu jedem Thema, gerechnet nach genau diesen vier Prüfungen, und im Scoreboard steht, wie oft sie danebenlagen.
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